1730 - Der bekannte Barockbaumeister Schlaun in Horneburg
Gerhard Clarenbach

In vielen westfälischen Orten gibt es Gebäude, die mit dem Baumeister Schlaun in Verbindung gebracht werden. Manchmal stellt sich allerdings heraus, dass nur das Baubüro Schlaun oder einer seiner Schüler tätig war. Doch dass Johann Conrad Schlaun ( 1685 – 1773) auch mit Schloß Horneburg zu tun hatte, habe ich noch nirgendwo gehört oder gelesen.

Doch zunächst ein paar Anmerkungen zu Schlaun: Er diente dem Kurfürsten von Köln , Fürstbischöffen von Münster etc. Clemens August von Bayern (1700 – 1761) als Generalmajor und vor allem als Oberbaudirektor. Statthalter des Kurfürsten im Vest Recklinghausen waren Mitglieder der Familie von Nesselrode - Reichenstein auf Schloß Herten. Unter Schlauns Leitung entstanden das Jagdschloß Clemenswerth bei Sögel im Emsland, Haus Rüschhaus bei Havixbeck, das Schloß und viele weitere Gebäude in Münster. Aber auch in Schloß Augustusburg in Brühl, auf Schloß Lembeck, Schloß Nordkirchen etc. war Schlaun tätig. Doch zurück nach Horneburg.

Heftig und mehrfach beschweren sich die Erkenschwicker Bauern und Kötter über ihre besonderen Belastungen in der sogenannten Landfolge. Sie müssen allein die Malefizpersonen im Gefängnis des Amtshauses Horneburg bewachen, auch im Winter ohne Licht und Feuerholz. Ein Wächter ist schon getötet worden, andere wurden verletzt, weil das schelmische und diebische gesindel durch teuflische Künste die schlösser aufblasen kann.......

Nun fand ich zwei weitere Archivalien im Stadtarchiv Recklinghausen, die sich mit demselben Thema beschäftigen. (4) Sie reichen aber zeitlich weiter und ergeben neue Aspekte. Eine ist überschrieben Die Pflichtigkeit der Eingesessenen der Bauerschaft Erkenschwick zur Arrestantenwache auf dem Amtshaus zur Horneburg 1728, die andere Die gefängnisse in Recklinghausen und Horneburg. Letztere reicht bis 1741.

Über die desolaten Zustände im Gefängnis Horneburg waren sich der Kurfürst, die vestischen Landstände, der vestische Statthalter Nesselrode, der Oberkellner Forkenbeck, die Admodiatorin Maria Magdalena Clerff Wittib Fabritius und die Erkenschwicker Bauern durchaus einig, wie aus vielen Briefen hervorgeht. Es geschah aber nichts, um eine Verbesserung herbeizuführen. Besonders ging es darum, wer die Kosten tragen sollte. Bei einem Neubau wurde die kurfürstliche Kasse in Anspruch genommen, bei einer Reparatur mußte die Admodiatorin zahlen. Der Kurfürst Clemens August beauftragte schließlich seinen Baumeister Joan Conrad Schlaun, ein Gutachten zu erstellen. Dieser war mindestens zwei mal in Horneburg, erstellte eine Bauskizze und fertigte das Gutachten.

Hochwürdigst durchleuchtigster Churfürst gnädigster Herr p

Zur gehorsamster einfolge beyliegendes gnädigstes befehl bin den 12.10 bris 1730 von Bonn zu Euer churfürstlichen durchleuchtigsten Stathalter des Vestes Recklinghausen gegangen undt befunden, daß die jetziegen Kercker zu Hornburg nicht im stand um die gefangenen ohne wacht zu verwahren; wan aber die gefängnüs lauth beyliegendes auf einen freyen plats vor dem schlos von neuen solten gebauet werden, ein sölches würde vorserst nicht allein viell kosten, sonderen ohnedem folgende inconvenientzien (Unschicklichkeiten ) veruhrsachen:

1 mo thäte sölche gefängnüs vor dem schlos liegen, würde sölches verdecket, undt die freye vue (Sicht ) davon benohmen.
2 do were selbe gefängnüs um undt um frey ohne wassergraben, also daß von ausen, wan keine wache darbey, darein könte gebrochen werden.
3 tio würden die Kösten mit matherialien undt alles wenigsten ad 1400 Rtlr kommen.

Mein ohnvorgreiflieger vorschlag aber were, weilen daß doch der grosen thurns am Schlos oben alwo die gallerie von holts ohnedem nach meiner im jahr 1729 gnädigst comittirten besichtigung von steinen muß unter fangen werden, wan selbes soll stehen bleiben, wovon dahmahls meine unterthänigste relation (Bericht ) mit beygefügten abrisen (Skizze) undt anschlag gehorsamst abgestattet, so befinde nichts besser zu seyn, als daß sölches geschehe, undt nachgehens die gefängnüssen in der unteren Etage im selben thurn undt etwaß vom daranstosenden flügel gelecht würden, dan
1mo kähme hierdurch der bauhfällige thurn im stand.
2do findet man alhier daß haubtmauerwerck, so nicht nöhtig angelecht zu werden.
3tio dieser thurn ist in der ünteren Etage auch zu nichts andersten nutslich und in der gräften eingeschlossen.
4to wan zukünftig in der 2 ten Etage daß apartement (Gästewohnung ) solte verfertiget werden, so hindern die gefängnüssen daran nichts.

5to kommen die Kösten wie außgerechnet nicht über 1000 Rtr dessen die Haußleuhten die fuhren dazu praestieren ( leisten ) würden undt kähme dardurch der Thurn wieder in stand, so ohnedem fast vor selbieg gelt hätte müssen reparieret werden. Wan nun sölcher mein ohnmaßgeblieger vorschlag Euer churfürstlichen Durchlaucht gefällig, so erachte vor guth zu seyn, so Euer churfürstlicher Durchlaucht statthalteren des Vestes die gnädigste Commmission (Auftrag ) weiter darvon ertheilet würde, welchem nach gnädigsten befehl alsdan assistiren (helfen) werde, damit vorgeschlagener maasen die einrichtung darzu gemacht würde, Ir mit tiefster submission (Unterwerfung ) verharre Euer churfürstlichen Durchlaucht unterthänigst gehorsamster J.C. Schlaun

Baumeister Schlaun lehnt also einen Neubau aus Kosten- und anderen Gründen ab. Er schlägt vor, dass der dicke Turm und ein Teil des Schlosses zum Gefängnis umgebaut wird.

In der Akte befindet sich tatsächlich eine Bauzeichnung. Ihr ist eine ausführliche Beschreibung und eine detaillierte Kostenaufstellung beigefügt. Vermutlich diente die Schlaun – Skizze als Grundlage. Jedenfalls wurde gegen 1740 die Baumaßnahme durchgeführt. Im dicken Turm und in einem Teil des Schloßgebäudes wurden mehrere Zellen errichtet. Wenige Jahre später allerdings wurde das Gefängnis nach Recklinghausen verlegt. (5) Nun mußten alle Bauernschaften im Vest die Bewachung wechselweise übernehmen. Hierzu findet sich eine Archivalie im Erkenschwicker Archiv, die die Oerer Bauern betrifft und von Pastor Schmitz stammt. (6) Anmerkung über die Bewachung deren Arrestanten de Anno 1773 sive der Landtfolge zu fuß. Eine Woche lang mußte demnach das Kirchspiel Oer die Bewachung übernehmen.

Da ca. 1830 Schloß Horneburg abgerissen wurde, ist heute nichts mehr vom alten Gefängnis zu sehen.

Literatur und Anmerkungen

1) Clarenbach, Gerhard: 16 weitere Geschichten - Werkstatt zur Stadtgeschichte, VHS Oer-Erkenschwick – Belegexemplare in den Stadtarchiven Recklinghausen und Oer-Erkenschwick

2) Stadtarchiv Recklinghausen, Bestand Arenberg, HAA II E Nr.20

3) www. geschichte – oe. de

4) Stadtarchiv Recklinghausen, Bestand Arenberg, HAA I F Nr. 87, 87 a

5) Bohlmann, Hans: Gerichtswesen und Gerichtsverfahren im Veste Recklinghausen seit der Mitte des 16.Jahrhunderts bis zum Ende der kurkölnischen Herrschaft 1802 Vestische Zeitschrift Band 38 von 1931

6) Stadtarchiv Oer-Erkenschwick, Bestand Oerer Kirchenarchiv Nr. 194

 

Anlagen:

Bericht von Schlaun an den Kurfürsten Clemens August

 

Grundriss der Baumaßnahme in Horneburg

                                         

  (C) by  Karl-Heinz Wewers / WEBDESIGN