1933 NS-Gleichschaltung - Erinnerungen an die Hitlerzeit
Ulrich Müter, "Rapen, 850 Jahre historische Bauerschaft"
Mit den beiden Gesetzten zur "Gleichschaltung der Länder mit dem Reich" vom 31. März und vom 7. April 1933 wurde in ganz Deutschland das sogenannte "Führerprinzip" zur Organisationsform für Verwaltungen und Körperschaften erhoben. Die demokratischen Strukturen der Weimarer Zeit hatten aufgehört zu bestehen. Mehr noch, sie waren hinfort für ganz Deutschland verboten.
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17 Kriegerverein Rapen 1927 vor der evangelischen Schule |
"Ähnlich
wie die Verwaltung wurden Vereine und Verbände gleichgeschaltet. In die Vorstände
wurden, freiwillig oder unter staatlichen Druck, Nationalsozialisten berufen,
die sich der NSDAP unterstellten oder nationalsozialistischen Organisationen
anschlossen. Vereine, die sich nicht gleichschalten wollten, wurden
verboten."[65]
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Kriegerverein ca. 1935 vor der katholischen Schule, jetzt im Kyffhäuserbund gleichgeschaltet |
Vereine,
die weiterbestehen wollten, hatten sich der Gleichschaltung zu fügen. Die NSDAP
versuchte mit Macht zumindest alle Vereinsvorstände zur Mitgliedschaft in ihren
Organisationen zu bewegen. In der Regel fügte man sich äußerlich. Wie
linientreu man wirklich war, stand auf einem anderen Blatt.
Auch in
Rapens Schulen wirkte zusätzlich noch "Das Gesetz zur Wiederherstellung
des Berufsbeamtentums" vom 7. April 1933, welches nur nationalsozialistisch
gesinnten Beamten, also auch Lehrern, die Arbeit im Staatsdienst erlaubte. Einem
Schullehrer war es fortan unmöglich oppositionelle Ansichten zu vertreten,
wollte er sich nicht selbst seiner Existenzgrundlage berauben.
Erinnerungen
an die Hitlerzeit
Viele
Rapener erinnern sich recht schmerzlich an die damaligen politischen Verhältnisse.
Sie bestätigen übereinstimmend, dass man in jener Zeit sehr vorsichtig sein musste
beim Reden und, dass es ein Wagnis war, ehrlich seine Meinung zu sagen.
Die behielt man am besten für sich. Zu schnell wurde man angeschwärzt.
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Die Rapener Schützen waren wohl nicht so leicht gleichzuschalten. Sie
ließen sich nicht mit Hakenkreuzen dekorieren. Obschon die altehrwürdige
Fahne von 1804 gerade erst repariert worden war, brachte der
Ortsgruppenleiter beim Schützenfest 1939 eine neue Hakenkreuz-Fahne
mit, "weihte" sie mit dem seltsamen Spruch "Wer auf
diese Fahne schwört, hat nichts, was ihm selber gehört." und
schenkte sie der Schützengilde (s.a. Recklinghäuser Zeitung vom 7.
August 1938).
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Konzentrationslager,
kurz KZ genannt, waren bekannt. Zumindest ein Rapener Lehrer, so wird
glaubhaft berichtet, hat damals im Unterricht erklärt, dass im KZ Volksschädlinge
zum nationalsozialistischen Denken und Handeln erzogen würden. Ebenso
bestätigen viele Zeitzeugen, dass auch in Rapen immer wieder Menschen abgeholt
wurden. Man erinnert sich sehr gut an solche Abgeholte.
Wenn sie nach Wochen zurückkamen, waren sie stumm. Was ihnen passiert war,
erzählten sie nicht. Einige sind nie wieder aufgetaucht.
Sehr
schlimm und zermürbend war der Bombenkrieg. Kaum vergingen einige Nächte, in
denen man nicht in den Luftschutzkeller oder Bunker musste. Rudolf Colneric
schreibt: "Die ersten Bomben
fielen in der Nacht zum 13. November 1940, glücklicherweise auf freies Gelände
in Rapen."[66] Nicht das letzte, aber das folgenschwerste
Bombardement erlebten die Rapener Anfang 1945.[67] Am frühen Nachmittag des
15. Januar 1945, es war ein Montag, griffen amerikanische Bomber in drei
Angriffswellen von Süden her die Zeche Ewald-Fortsetzung an. Dabei fiel ein
großer Teil der Bombenfracht auf Rapen.
An
diesem Tag hielt der Tod reiche Ernte. Im Hause der Bäckerei Kettler,
Ewaldstr., starben 11 Menschen. Die 70jährige Frau des Fleischermeisters
Koenders fand den Tod im Keller ihres Hauses. Dieses stand ungefähr da, wo
jetzt die Robertstraße in die Ewaldstraße einmündet. Die Grundmauern von
Koenders Haus waren 1949 noch zu sehen.[68] Die aus den Trümmern geborgen
Leichen legte man zuerst auf den Fußboden in Piepers Schmiede, Ewaldstraße
70. Die Schulen waren beide zerstört, zwei Bauernhöfe, Jeismann und
Schulte-Havermann, ebenfalls. Viele Häuser hatten schwere Treffer
abbekommen, vor allem im Gebiet Buschkamp, Freiheit-/Ewaldstraße und an der
Klein-Erkenschwicker-Straße. Dort hat es vermutlich auch Tote gegeben. Die
nebenstehende Karte wurde nach dem Angriff angefertigt und zeigt fast alle
Sprengbombentreffer und Blindgänger. Sie ist aber nicht vollständig, wie
sich inzwischen herausstellte. Es fehlen auch die Treffer im Rapener
Zwangsarbeiterlager.
[65]
Edition Zeitgeschehen, Eberhard Aleff, Das Dritte Reich, Fackelträger-Verlag
1970, S. 33
[66] Chronik der Stadt Oer-Erkenschwick, Stadt Oer-Erkenschwick 1989,
Seite 130
[67] Chronik 1899-1988, Zeche Ewald-Fortsetzung, Bergwerk Haard,
Manuskript, Seite 107
[68] Hinweis von Frau M. Ne(C)
by Karl-Heinz
Wewers / WEBDESIGNumann