1956 Mühlsteine vom
Stimberg
Karl Brandt
Vestisches
Jahrbuch1959
Bekanntlich sind noch heute auf dem Stimberg, wenig nördlich von Erkenschwick Spuren des Umganges von Steinbruch festzustellen.Namentlich auf dem westlichen Teil sind mehr oder weniger lange, heute verflachte Gräben und Mulden zu sehen, die bei der Suche nach Sandsteinen entstanden sind. Der Steinbruchbetrieb reicht mindestens bis zum Ausgang des Mittelalters zurück (vgl. Brandt, Vest. Jahrbuch, Bd. 49, 1942-47, S. 75f.). Dieser Sandstein kommt nicht in durchgehenden bankigen Sedimenten vor, sondern in großen und kleinen, manchmal recht grotesken, allseitig abgerundeten Knauern oder Knubben, die häufiger dutzende Kubikmeter Rauminhalt haben können. In tieferen Lagen bildet dieser nicht sehr feste Stimbergsandstein begrenzte Sandsteinbänke mit stets wulstigen Oberflächen, die aber allseitig von noch nicht durch Kieselsäure verfestigtem Sand begenzt werden. Dieselben Erscheinunen haben wir bei den gleichaltrigen Sandsteinen des Netteberges bei Bork-Selm (Landkreis Lüdinghausen).
Den Stimbergsandstein verwandte man zum Bau von Burgen, Stadtmauern, Kirchen und auch als Packlager für die alten Straßen. Das ist längst bekannt. Ganz neu ist jedoch die Feststellung, daß er auch zu großen Mühlsteinen gebraucht worden ist. Unmittelbar an der Südseite des Schlosses Strünkede haben wir im Jahre 1959 begonnen, eine der Vorburgen auszugraben. Auch hier sind, wenn auch im geringen Maße, Stimbergsandsteine als Bausteine in den Fundamenten benutzt worden. Wichtiger aber war folgender Fund: Im Schutt über diesen alten Fundamenten kam zweimal ein Viertel eines aus Stimbergstein hergestellten Mühlsteins zu Tage, der 1,42 Meter Durchmesser bei 0,30 Meter Dicke hatte. Die beiden Viertel passen zusammen. Das annähernd rundliche Loch in der Mitte ist 0,20 Meter groß gewesen. Die Rundung ist ziemlich sauber herausgehauen worden, während die Flächen nur vorgearbeitet und wahrscheinlich am Orte der Verwendung eben gehauen sind und auf der Mahlfläche mit Nuten versehen werden sollten.
So hat unser Wissen um den Stimberger Steinbruchbetrieb eine Erweiterung hinsichtlich der Herstellungsprodukte erfahren. Möglicherweise läßt sich auch die Herstellung von Handmühlen und Senfmühlen gelegentlich nachweisen. Der Stimbergsandstein ist an seiner hellgelblichen Farbe, an dem lockeren Gefüge und an seiner geringeren Festigkeit mit dem bloßen Auge zu erkennen.
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