In der Haard lauern weiter Gefahren

...Von Michael Paternoga

 
Den 18. Januar wird Forstoberinspektor Albert Oelmann so schnell nicht vergessen. An diesem Tag fegte Sturmtief "Kyrill" über Oer-Erkenschwick hinweg und bestimmt seitdem den Arbeitsalltag des Waldexperten.

Oelmann kümmert sich in seinem Zuständigkeitsbereich um rund 120 private Waldbesitzer. Noch immer hat er es nicht geschafft, sich ein Bild von allen Flächen zu machen. "Aber ich denke, etwa 90 Prozent der Schäden habe ich mittlerweile gesehen", erzählt der Forstoberinspektor, der immer noch sehr berührt ist vom Ausmaß der Sturmfolgen. Und das ist auch nicht verwunderlich, wenn man die Anzahl der Bäume sieht, die am 18. Januar gefallen sind. Der Förster schätzt, dass allein in seinem Gebiet rund 60000 Bäume dem Sturm zum Opfer gefallen sind. "Kyrill" hat es vor allem auf Kiefern und Lärchen abgesehen. Laubbäume wurden dagegen "geschont".

Noch immer ist Oelmann mit Fremdfirmen damit beschäftigt, für Sicherheit in der Haard zu sorgen. "Das Waldbetretungsverbot ist inzwischen aufgehoben. Das heißt aber nicht, dass keine Gefahr für Spaziergänger besteht. Die Hauptwege sind inzwischen gut passierbar. Aber auch hier sollte man sich noch vorsichtig bewegen. Es gibt immer noch Bäume, die schief stehen und schnell auf die Wege fallen könnten. Die Nebenwege sollten noch nicht betreten werden, die Aufräumarbeiten dauern hier wohl noch das ganze Jahr über an. Die Haard ist noch lange nicht so sicher wie vor dem Orkan. Vor allem, wenn es jetzt noch einmal stürmt, hat man nichts im Wald verloren", warnt der Forstoberinspektor vor dem Besuch in der Natur.

Er kann nur mit dem Kopf schütteln, wenn er an die Menschen denkt, die kurz nach dem Sturm durch die Haard "pilgerten". "Das war wirklich sehr unvernünftig. Da hat sich ein echter Katastrophen-Tourismus entwickelt."

Ein Bild vom Ausmaß der Schäden machen sich auch die Waldbesitzer. Viele waren gar nicht darauf vorbereitet, in der jetzigen Zeit Holz zu vermarkten. "Rund 4000 bis 5000 Kubikmeter Holz werden jährlich verarbeitet. Nach dem Sturm liegt nun das Vier- bis Fünffache auf dem Boden. Es ist zurzeit sehr schwierig, Firmen mit der richtigen Ausrüstung zu finden, aber wir stehen in Verhandlungen. Es wird wahrscheinlich das ganze Jahr dauern, bis wir die Bäume alle vermarkten können", erzählt Oelmann. Besonders bitter sei es, wenn die Kiefern und Lärchen noch nicht das richtige Alter erreicht hätten und eigentlich noch 20 Jahre stehen müssten, um die volle Qualität zu erreichen.

Oelmann verweist in diesem Zusammenhang noch einmal darauf, dass die umgestürzten Bäume und Äste nicht der Allgemeinheit gehören. "Das Holz darf nicht einfach mitgenommen werden, es ist Eigentum der Waldbesitzer."

 

21. Februar 2007 | Quelle: Quelle: Stimberg Zeitung