Die Rapener Schulen

Ulrich Müter, "Rapen, 850 Jahre historische Bauerschaft"

Schon im Jahre 1754 war in der Bauerschaft Bockum ein Eremit als Lehrer beschäftigt.[86] Die Schule wurde von den Bockumern selbst unterhalten. Inwieweit Rapener Kinder von Beginn an diese Schule besuchten, ist nicht klar. Später aber, als die Schulpflicht in Preußen eingeführt worden war, gingen die Kinder aus dem nördlichen Bereich Rapens in diese Schule. Der südliche Teil Rapens gehörte zum Schulbezirk Horneburg.

Erste Schule an der Wrangelstraße
Ab Ostern 1905 unterrichtete Clemens Höppe 73 Kinder der neuerrichteten Rapener Volksschule in einer Klasse. Die Schule befand sich in 2 gemieteten Räumen des Hauses von Adolf Effmann an der Wrangelstraße, später Konsum-Lebensmittelgeschäft, heute ma-cherie-Bar, Im Buschkamp Nr. 2. Bereits am 3. Dezember 1906 konnten Lehrer und Schüler ein neuerrichtetes  Schulgebäude an der Wiesmannstraße beziehen (bis 1992 Friedr.-Fröbel-Schule an gleicher Stelle). Kinder beider großen Konfessionen wurden hier unterrichtet bis im Jahre 1915 die katholische Volksschule Rapen fertiggestellt worden war. Nun hatten beide Konfessionen eigene Schulgebäude.  

Kollegien der Rapener Schulen: ? (unbekannt), Frl. Schmitz, Frl. Schäfers, ?, ?, Frl. Pieper, Herr Sandhofe, Herr Bleckmann (stehend v.l.); Herr Hoffknecht, Frl. Beckerling, Herr Höppe, Frl. Reinhold, Herr Warnecke (sitzend v.l.)

Die Erkenschwicker Schule (die katholische) an der Schultenstraße legte man 1935 mit der katholischen Schule Rapen zu einem katholischen Schulsystem in zwei voneinander getrennten Gebäuden zusammen. Die evangelische Schule Rapen blieb weiterhin eigenständig.

1939 kam schon die nächste Reform. Es wurde die deutsche Volksschule eingeführt. Die Verbindung zur Ewaldschule hatte ein Ende und die beiden Rapener Schulen bildeten für nahezu acht Jahre eine Gemeinschaftsschule. Es war die Rapener Schule, in der die konfessionelle Trennung nicht mehr bestand.

Zerstörung der Schulen
Am 4. Dezember 1944 war der Schulunterricht  kriegsbedingt ausgesetzt worden. 42 Tage später, am 15. Januar 1945 beim großen Bombenangriff, erlitten beide Schulen zerstörende Volltreffer. Erst ab Februar 1946 konnten die oberen Jahrgänge als Gäste in der Westerbachschule unterrichtet werden. Die unteren 4 Jahrgänge erhielten ab Ostern 1946 Unterricht in einer Baracke. Diese war dort, wo jetzt die Clemens-Höppe-Schule steht. Die Baracke befand sich in einem äußerst miserablen Zustand. Jeder Raum hatte außer der dürftigen Schul-Einrichtung einen Koksofen.

Allerdings war im Winter 1946/47 die Koksversorgung nicht immer optimal. Es konnte deshalb aus der Not heraus passieren, dass Jungen der vierten Klasse Heizmaterial organisieren mussten. Mit einer Karre besorgten sie dann Koks von dem Lagerplatz an der Zechenbahn hinter der Gaststätte Tillmann. Heute würde jeder sagen: "Die haben Koks geklaut." Damals nannte man so etwas fringsen. Der Kölner Erzbischof Josef Frings hatte in Predigten darauf hingewiesen, dass es kein Verbrechen sei, wenn man Kohlen klaue, um sich zu wärmen.

Wiederaufbau
Nach einer Elternbefragung im Herbst 1946 führte man zu Ostern 1947 wieder die Bekenntnisschule ein. Ein Jahr später, zu Ostern 1948, war der Wiederaufbau der evangelischen Schule Rapen beendet. Beide Schulsysteme unterrichteten dort in der Folge unter sehr ungünstigen Raumverhältnissen in 8 Räumen. Durch Schichtunterricht meisterte man die schwierige Situation. Am 17. Oktober 1951 wurde der Neubau der katholischen Clemens-Höppe-Schule am Steinrapener Weg bezugsfertig.

Und so ging es weiter mit Rapens Schulen

links die katholische (heute Turnhalle), rechts die evangelische Schule (heute Frdr.-Fröbel-Schule), ca. 1935

In der renovierten evangelischen Schule konnte ab dem 22. Dezember 1953 wieder Unterricht stattfinden. Am 18. Dezember 1956 bekam sie den Namen Albert-Schweitzer-Schule.[87] Noch einmal entstand große Raumnot, als die Clemens-Höppe-Schule zwischen 1961 und 1964 geschlossen werden mußte. Die Bickefelder Störung hatte zur Absenkung des Gebäudemittelteils geführt. Eine komplizierte Sanierung, der Einbau beweglicher Stahlfundamente auf Hydraulikpressen, war erforderlich. [88] Am 1. Dezember 1966 wandelte man die evangelische Albert-Schweitzer-Schule in eine Gemeinschaftsschule um. Die Albert-Schweitzer-Gemeinschaftsschule und die katholische Clemens-Höppe-Schule wurden am 1. August 1968 zur Clemens-Höppe-Gemeinschaftsgrundschule vereinigt. 
Vom gleichen Tage an bis zum 25. Oktober 1992 unterrichtete die Friedrich-Fröbel-Sonderschule im Gebäude der vormaligen Albert-Schweitzer-Schule, in welcher sie vorher bereits Gast war. Inzwischen hat 1992  dieses Schulsystem Rapen verlassen und ein neues Gebäude am Hallenbad in Erkenschwick bezogen.

 

[86]A. Jansen (1881) "Die Gemeinde Datteln", Seite 99
[87]
Auskunft der Stadtverwaltung Schreiben vom 10.6.94
[88]Festschrift zur Weihe der Kirche St. Marien, 15. Dezember 1963, Kath. Pfarramt St. Josef