Rapen und die Diller
Mark
Gerhard
Clarenbach
85o Jahre historische Bauerschaft Rapen
Die Diller Mark heute und früher
Auf
dem Messtischblatt 4309 Recklinghausen findet sich die Bezeichnung "Diller
Mark" etwa bei 28 rechts / 86 hoch. Früher muss sie ein weit größeres
Gebiet umfasst haben, etwa von Erkenschwick/Rapen im Süden bis zum Baggerloch
(Flaesheim) im Norden, westlich begrenzt von der Oerer Mark (Peters Heide, Großer
Grund) und östlich von den Bockumer und Ahsener Gebieten (Die Mark, Dummberg,
Gerne).
Frühe Nachrichten (bis ca. 1800)
Auf
die Verhältnisse in der Diller Mark durch die Jahrhunderte, auf die Zerstörung
durch Holzfrevel, Waldhude ect. will ich hier nicht eingehen, sondern mich auf
Nachrichten über Rapen beschränken. Die ältesten Diller Markenprotokolle, die
mir vorliegen, stammen aus der Zeit von 1532 bis 1606.[1] Sie wurden angeblich
aus einem alten Markenprotokollbuch abgeschrieben und stehen möglicherweise im
Zusammenhang mit dem langen Markenrichterstreit zwischen den Äbtissinnen von
Flaesheim und den Herren Westrem von Gutacker.
Von
1559 bis 1593 war Elisabeth von Westrem Äbtissin von Flaesheim. Damals ist die
Verwaltung der Diller Mark vielleicht wie ein Familienunternehmen der Westrems
geführt worden, wobei Elisabeth hinter Johan, später Dietrich von Westrem zurücktrat.
Dies könnte den Anspruch der von Westrems auf das Markenrichteramt erklären,
was später, als andere Äbtissinnen in Flaesheim residierten, zum Streit führte.
In den Protokollen erscheint jedenfalls der jeweilige Herr von Westrem als
Markenrichter. Je ein Scherner kam aus den Bauerschaften Leven, Erkenschwick und
Rapen, dazu der Erbscherner Schulte-Bockum aus Bockum. Als Scherner aus Rapen
werden genannt: 1537 Breimann, 1540 Plumpe, 1556 und 1600 Paßmann. 1666, als
der Markenrichterstreit angefangen hat, wird ebenfalls ein Paßmann als Scherner
genannt.[2]
Auch
bei späteren Holzgerichten nehmen natürlich Rapener als Markgenossen teil.
1754 sind es Henrich Plumpe, Henrich Lötte, Herman Breiman, Adolph Henrich Wießmann,
Dietrich Buerstedde, Henrich Winkelmann, Diederich Paßman, Joan Henrich
Lindemann, Wilhelm Neiß(?) und Jobst Sprenger.
1770
werden genannt: Schulte Caspar Hubbert, Adolph Henrich Wießmann, Jürgen Lötte,
Joan Henrich Plumpe, Herman und Nicolaß Grein (?), Henrich Hockenbrink, Joan
Berndt Winkelmann, Mueß, Dahlhaus und Phillipsmann.
1779
ist Plumpe Scherner.[3] Als Teilnehmer am Hölting werden Joan Henrich Lötte, Jürgen
Lindemann, Sprenger und Wiesmann erwähnt.
1786
zeigt Scherner Plumpe an, daß er Clara Wilms aus Erkenschwick bei der Brechung
kleiner Steine in der Mark erwischt und ihr die Hacke pignoriert (gepfändet)
hat.[4]
Rapen und die
Teilung der Diller Mark
Bei
den Teilungsverhandlungen, die sich von 1800 bis 1812 hinzogen, waren die Rechte
der Rapener Bauern unumstritten. Nur dem Kötter Phlipsmann (Phillipsman) wurden
sie kurzzeitig bestritten, dann aber doch anerkannt.[5]Lediglich der Wunsch der
Rapener, ihre Heimöde bis an den Stimberg auszudehnen, stieß auf den
Widerstand der herzoglichen Domäneninspection (HAA.ILNr.89+VIII E Nr. 11,
S. 122). Sie schlossen sich damit allerdings
Weniger
Einigkeit zwischen den beiden Bauerschaften fand sich an anderer Stelle.[6] Die
Klein-Erkenschwicker hatten Umwallungen eines von den Rapenern angelegten
Zuschlages zerstört, was zu einem Prozeß führte.
Bei
der Teilung 1812 erhielten Rapener große Teile der Diller Mark vom Schöttelberg/Küsberg
bis fast zur Gerne. An erster Stelle muß hier der Neu-Rapener Regierungsrat
Bracht, der Erbauer der Dillenburg, genannt werden. Er erhielt 2 und 5/6
Bauernquote (1 BQ = 53 Scheffel), ansonsten je eine Quote die Bauern Passmann,
Dahlhaus, Wiesmann, Lindemann, Winkelmann, Breimann, Lötte und Plumpe.
Buerstedde und Hockenbrink teilten sich eine Quote, ebenso Mues, Sprenger und
Phillipsmann.
Erwähnt
soll hier auch Schulte-Hubbert werden, der zwar rechtlich zu Groß-Erkenschwick
gehörte, die meisten seiner Ländereien aber in Rapen hatte und sich wohl auch
dort zugehörig fühlte.

Karte der "Diller Mark" von Broux im
Jahre 1808 vor der Teilung
angefertigt; Archiv der Stadt Recklinghausen HAA I L Nr. 125, S. 99
Die besondere Bedeutung des kurfürstlichen Hofrates und späteren
Regierungsrates Bracht
Schon
beim Hölting 1801[7], als wohl zum ersten Male ernsthaft über die Teilung der
Diller Mark gesprochen wurde, war Bracht als domkapitularischer Verwalter ein
Befürworter, ja Anreger. Man darf ihn auch später als den "Motor"
der Teilung bezeichnen. Eine Leistungsrechnung Brachts vom 18. Januar 1811 ist
erhalten[8]: "Für meinen Entwurf vorläufiger Gedanken über das
Teilungsgeschäft rechne ich nichts", schreibt er zu Anfang. Dann aber zählt
er eine Fülle von Auslagen für diverse Kopien, Schreiben, Pferdevermietungen,
Vermessungen ect. auf, die er, in Vorlage gehend, wohl größtenteils schon
bezahlt hatte. Immerhin kommen 55 Reichstaler und 51 1/2 Stüber zusammen.
Als
die Teilung 1811 nach Erstellung des Teilungsregisters[9] durch die politischen
Ereignisse stockte, war er es in erster Linie, der den Teilungskommissar Rive
gewann, die Teilung zu Ende zu bringen[10].
Am
4. April 1812 wurde das Teilungsprotokoll unterzeichnet und die Teilung damit
rechtswirksam[11].
![]() |
|
Diller Mark |
Gewinnstreben im Spiel.
Ca. 1808 (?)
In
einem Brief an die Teilungskommission vom 2. Juli 1809[13] zählte Bracht alle
Rechte auf. Er erwähnte auch zwei aufgelöste Bauerngüter aus der "Gutackerschen
Hofesstaat ", deren Rechte ebenfalls auf ihn übergegangen wären. Die
umstrittenen Steinbruchrechte auf dem Stimberg überließ er schließlich dem
Herzog von Arenberg im Tausch gegen 25 Scheffel Heideboden.
Die Entwicklung
der Mark nach der Teilung
Da
die Bauern zur Ablösung der gutsherrlichen Rechte viel Geld benötigten, mussten
sie große Teile des erworbenen Landes abgeben. Hier will ich die Entwicklung
nur an einem Beispiel aufzeigen.
Passmann
muss zur Ablösung der Rechte des Herzogs von Arenberg fast alles verkaufen.
Nach Hofunterlagen des "Pashmann-Gutes" (heute Jeismann), die Ulrich Müter
aufgearbeitet und übertragen hat, erhielten nach dem Testament vom 8.2.1820 der
Regierungsrat Bracht 9 Scheffel, Gremm 6, Honecker aus Klein-Erkenschwick 11 und
Stimberg zu Bockum 15 Scheffel, so daß Passmann nur noch 12 Scheffel
verblieben. Die erscheinen dann auch in dem Katasterauszug von 1834 als
Heidegrund "Hinter dem Stimberg", 1913 als Holzgrund (beide
Grundbuchauszüge von Ulrich Müter übertragen).
Bracht
und der Herzog von Arenberg haben große Teile der Mark erworben und
aufgeforstet. Nach einem Schriftstück[14] wurden die Brachtschen Erwerbungen
zwischen 1830 und 1856 mit Schwerpunkt um 1842 aufgeforstet, und zwar hauptsächlich
mit Kiefern. Als 1863, nach dem Tode von Bracht, die Dillenburg an den Herzog
von Arenberg verkauft wurde, fielen diesem auch diese Stücke zu. Noch später
wurden Zechengesellschaften Besitzer, heute gehören weite Teile dem KVR
(Kommunalverband Ruhrgebiet).
Überreste aus alter Zeit
Mit
Tonis Grebe, der als Vermesser über einschlägige Kenntnisse verfügt, habe ich
im Gelände nach Überresten der Markenteilung aus alter Zeit gesucht, und
wir sind fündig geworden. Schon auf der Grundkarte sind Teilungslinien
erkennbar. Die alte Teilungskarte von 1811 des Vermessers Randebrock aus dem
Archiv in Recklinghausen half uns sehr, aber auch andere Karten aus späterer
Zeit.
So
konnten wir Gräben und Wälle in der Diller Mark deuten, fanden aber auch alte
Grenzsteine. Noch erhaltene Grenzwälle Rapener Bauern finden sich z.B. südlich
des Stimberges, nördlich auch ein Wiesmann-Wall mit alten Grenzsteinen. So kann
dem kundigen Wanderer der Boden der Diller Mark noch vieles aus alter Zeit
verraten.
Anmerkung des Herausgebers
Herr
Gerhard Clarenbach, der Verfasser diese Artikels, war Leiter einer Grundschule.
Er arbeitet in seiner Freizeit für den Naturschutz. Sein besonderes Interesse
gilt dabei auch historischen Aspekten der natürlichen Lebensräume. Die
Geschichte der Diller Mark arbeitete er besonders deshalb auf, weil es sich hier
um ein zusammenhängendes Gelände handelt, dessen alte Grenzen heute noch exakt
bestimmbar sind. Weiterhin regte ihn an, dass die Mark bis heute nicht
wesentlich verändert wurde, abgesehen von Aufforstungen seit dem letzten
Jahrhundert. Außerdem gibt es einen sehr großen Bestand an schriftlichen
Zeugnissen über die vielen Jahrhunderte der Markennutzung, z. B. Verträge,
Karten und Protokolle. Durch seine Arbeiten konnte Herr Clarenbach auch einige
in der älteren Literatur geäußerte Vermutungen richtig stellen.
Beispielsweise wies er nach, dass einige Wälle in der Diller Mark erst im
letzten Jahrhundert entstanden und zwar als Einfriedigungen für Schonungen und
als Besitzabgrenzungen.
![]()