1377 bis 1859 Adelige Herrenhäuser "Haus Gutacker"
Rektor Adolf Hunke
Bei der Regulierung des Westerbaches im Ortsteil Hagem stieß man auf die Reste des ehemaligen adeligen Hauses Gutacker. Es fanden sich Pfahlroste, auf denen die Grundmauern aus Steinen des Stirnbergs aufgemauert waren.
Auf Wunsch des Provinzialkonservators und mit Genehmigung der Herzoglich- Arenbergischen Verwaltung wurden die Fundamente der Burg freigelegt, um so einen Grundriss der ehemaligen Burg zu erhalten,
Das adelige Haus Gutacker lag am Landwege von Datteln nach Recklinghausen, hart an der Grenze von Hagern und Rapen, in unmittelbarer Nähe, wo heute der Gutspächter Janinhoff wohnt. Gutacker ist ein bedeutendes Gut gewesen mit großem Grundbesitz im Gutackerschen Felde in Hageln und Rapen. Viele Höfe gehörten als Eigenhörige dazu wie Joemann in Meckinghoven, Hülshoff, Friehof, Mölken, Sybel, Nierhäuser, Gocke, Brune in Hagen, Winkelmann, Paßmann, Engelskamp in Rapen, Sonntag in Hachhausen, Dickerhof in Redde, Heuer in Pelkum, Rensmann und Lobeck in Markfeld.
Eigenhöriger, Eigenbehöriger
Höriger; Zustand der persönlichen Unfreiheit in Abhängigkeit von einem
Eigentümer, der Eigentümer greift weitgehend in die persönliche Lebensgestaltung
des Eigenhörigen ein; der Hörige
schuldet dem Eigentümer Leistungen und
Abgaben aufgrund seiner Person; ergänzend kamen in der Regel Abgaben an den
Eigentümer von seiner Stätte und seinem Besitz hinzu.
Der Hof Dickerhof war eine adelige Burg mit Wall und Graben und war zeitweise von den Herren zu Gutacker bewohnt. Außerdem stand Gutacker das Erbholzrichteramt in der Dahlerheide zu, wo auf dem Hofe Rensmann das Holting abgehalten wurde. In der Meckinghover Mark waren die Herren von Gutacker durch ihre Eigenhörigen berechtigt und erschienen auf den Holtingen, die auf dem Domkapitelshofe Berger stattfanden. Auch hatten sie Berechtigung in der Diller- und Hagemer Mark.
Holting:
Ein Holzgericht, welches im Spätmittelalter und der Neuzeit über Holz- und
Forstangelegenheiten
und Nutzungsrechte der Markgenossen an einem Markwald entschiedIn
den westfälischen Holzmarken saß der Holzgraf oder der Grundherr der Mark
entweder der Gerichtsverhandlung selbst vor
oder überließ den Vorsitz einem seiner Beamten. Die Meier als Beisitzer wurden
in dieser Funktion auch Holzrichter genannt.
Über die Errichtung der Burg und deren älteste Geschichte fehlen jegliche Nachrichten. Urkundlich genannt wird erstmalig Goswinus Gudacker 1377. Es war zur Zeit der Dortmunder Fehde. Der Erzbischof von Köln als auch der alte Heidenreich von Oer sagten der Stadt Dortmund Fehde an. Der Vestische Adel sah den Ereignissen freudig entgegen. Ihm winkte Auskisicht auf Abenteuer und reiche Beute. So nahm auch Goswinus Gudacker nebst anderen vestischen Adeligen an dem Kriegszuge teil.
Nach einer Urkunde im Pfarrarchiv zu Datteln von 1382 errichtet Goswinus
Gudacker mit seinem Sohne Johann bei seiner Wohnung in Haghenem eine Kapelle
nebst Kirchhof und
macht dabei eine Stiftung. Die Kapelle hat gestanden am Schlosse angebaut in der
Nähe der alten
Mühle. Im Jahre 1385 hängt er sein Siegel an den Stiftungsbrief des Dietrich von
Berghem. Dieser Dietrich von Berghem, Sohn
des Wilhelm und seiner Frau Stine stiften 1385 ein „Jargetyt" in der
Kirche zu Datteln und geben zur Fundation einen Kamp bei Datteln.
Der Erzbischof Friedrich von Saarwerden
suchte seine Stellung im Veste Recklinghausen zu befestigen und ließ sich
die Burg Gutacker übertragen.
Am 30. Juli 1386 erklärte Goswinus Gudacker, dass er seine Burg im Kirchspiel
Datlen, das
Haus Gutacker mit dem Grunde auf dem sie stand, mit der Vorburg, den Gräben, mit
all ihren
Festungsanlagen und ihren sämtlichen Nebengebäuden dem Erzbischof als ein
„offnes Haus"
übertrug. Bei
dieser Gelegenheit wurde Goswin Gudacker verpflichtet ein Lehnsmann der
Kölner Kirche zu werden und ihr gegen alle ihre Feinde beizustehen.
Im Jahre 1440 verbürgt sich Tönnes Gudacker für Evert Vrydach von den Husen auf Löringhof.
Andere dieses Geschlechtes werden im Kirchenarchiv nicht genannt.
Von 1514 an kommt in den Urkunden die Familie von Westrem als Herr zu Gutacker vor. Jedoch geht aus der Urkunde von 1514 hervor, dass sie bereits vorher im Besitz der Burg gewesen sind. Vielleicht sind von Westrem nach Aussterben der Familie Gudacker vom Erzbischof von Köln, in dessen Diensten sie standen, mit den Gütern belohnt worden.
Nach Urkunden des 13. Jahrh. ist die Familie von Westrem in der Stadt Recklinghausen ansässig und bekleidet hohe Ämter. Im Jahre 1399 waren die Brüder Drees und Johann von Westrem Mitverbündete des Bischof Otto IV. von Münster. Dieser Fürstbischof hatte 1395 mit dem Herrn von Steinfurt eine Fehde wegen einer Burg bei Schöppingen. Durch verstellte Friedensverhandlungen des Steinfurters wurde der arglose Bischof vom Herrn von Ottenstein überfallen und gefangen genommen. Die Brüder des Bischofs Graf Erich von Hoya und Bischof Johann von Paderborn zogen mit anderen westfälischen Edlen heran und belagerten die Burg Steinfurt. Durch Vergleich wurde Otto IV. befreit. Eine Klage des Grafen von Tecklenburg beim Freistuhl in Tecklenburg gegen den Bischof und seine Verbündeten hatte keinen Erfolg.
Wiederholt treten die von Westrem als Zeugen bei Schenkungen und Käufen auf. Auch als Richter und Ratsmitglieder waren sie in Recklinghausen tätig. So erklärte vor dem Richter Rosyr von Westrein 1440, „Bernd de smet de olde, Aleke seine Frau und Johann Speckhorn ihrer Tochter Mann, dass sie die Hälfte der Hackenbredde und die Hälfte eines Gartens, den Heyneken underhadde „; der Kirche zu Datteln schenkten. Desgleichen verkaufen vor demselben Richter die Eheleute Heinrich Boumester und Locke, seine Frau, der „sünte Amandus- Gilde to Dattelen" die Hälfte der Hackenbredde und die Hälfte des Gartens gelegen in Dattelen, so heyneken underhadde“:
Dietrich von Westrein erscheint 1437 als Zeuge, wo Ewert von Berchem dein Johann von der Dorrnburg genannt Aschenbroisch die Schwakenburg, Beckmanns Gut auf dem Rode, ferner die Word und das Wordgeld im Dorfe Datteln verkauft.
Dieser Dietrich von Westrem kämpft 1452 auf Seiten des Erzbischofs in
Münsterschen Stiftsfehde.
Röttger von Westrem zum Gutacker wird 1506 Herr von Winkelmanns Gut in
Rapen;
desgleichen 1532 von Joemanns Erbe in Natrop bei Recklinghausen. Auch von
Stoveren oder
Bekhausengut in der Bauerschaft Becklem. Auf dem Gute Diekerhof in Redde wohnte
1526
ein Johann
von Westrem.
Im
Jahre 1541 wurde in Datteln durch die Gemeinde der Armenfonds gestiftet. Durch
diese
Stiftung wurde dem Armenwesen eine feste und gesicherte Grundlage für die
Zukunft gegeben.
Johann von Westrem schenkte 2 Scheffel Land in Markfeld und 2 Scheffel Roggen
zeitlebens.
Zugleich erklärt er mit den Interessenten Dyrich Grolle, Melchior Fridach, Wilm
Dobbe und
Jürgen Aschebroick und den Kirchmeistern Schulte to Nethövel und Johan Schulte
to Meckinghoven
die Almosenstiftung getreulich zu verwalten und hängen zur Bekräftigung ihr
Siegel an.
Um 1550 kam auch das Gut Wilbring in den Besitz der Familie Westrem. An dem
Vestischen
Landstage 1552
nimmt Dietrich von Westrem zum Gutacker aus der Ritterschaft teil.
Während des kölnischen und des spanisch- niederländischen Krieges hatte das Vest Recklinghausen viel zu leiden. Das Ende des Jahres 1587 brachte für die Bewohner des Erzstiftes eine schreckenerregende Kunde. Die Überrumpelung und Einnahme Bonns am 23. Dezember gab dem Martin Schenck Mut, seine Meutereien im Großen fortzusetzen. Bereits am 2. Februar 1588 finden wir den Feind in der Hardt. Am 2. September fiel wieder eine feindliche Abteilung von 600 Mann ins Vest ein und hauste dort auf eine barbarische Weise. Die adelige Burg Gutacker wurde in Brand gesteckt und den umliegenden Bauern das Vieh abgenommen. Nicht allein, dass den Bauern ihre bewegliche Habe geraubt wurde und das Abweiden und Zertreten ihrer Feldfrüchte dulden mussten, sondern sie wurden auch mitgeschleppt und nicht eher entlassen, bis dass sie sich mit barem Gelde losgekauft hatten. Der Überfall auf das Haus Gutacker gab dem Statthalter von Raesfeld Veranlassung, die Mitglieder des Vestischen Adels zur Vorsicht anzuhalten. In einem Schreiben vom 6. September ermahnt er zur äußersten Vorsicht bei Bewachung der Häuser und Besetzung derselben mit Soldaten.
Im 16. Jahrh. waren die Güter mit vielen Schulden stark belastet, Geld- und Kornrenten wurden schlecht bezahlt und um das Jahr 1592 scheint eine Art Konkurs über das Haus Westrem ergangen zu sein. Unerhörte Drangsale brachte auch der 30 jährige Krieg. Die Meckinghover-, Beckumer- und Döttelbecker Markgenossen überließen 1636 den 15. Mai an die Eheleute Albrecht von Westrem zum Gutacker und Engel von Lipperheiden auf 25 Jahre für 25 Thlr. Species einen Zuschlag in den Marken und am 6. Juni für eine nicht genannte Summe Geldes „in ihren äußersten Nöthen, als die mit wirklicher militäria excention dazu zum höchsten angestrenget worden, welches Geld sie zur Durstenschen Kontribution verwandt und ausgegeben", einen Orth Grund bei dem Postkamp.
Im Jahre 1646 wurde in Datteln die St. Amandusglocke gegossen. Der untere Rand nennt nebst anderen Namen und unter den 5 Adeligen auch „Die woledelgeboren Albrecht von Westrem zu Gutacker und Engel von Lipperheide Eheleut. "
In der Markfelder Mark besaß der Herr von Westrem zum Gutacker das Erbholzrichteramt. Die Holzbank mit dem Pfandsteil war auf Rensmanns Hof, welcher Eigenhöriger von Gutacker war.
Die Markgenossen hatten seit Mitte des 17, Jahrh, mit den Besitzern des Hauses Dahl oft Streit. Das Haus Dahl, auf der münsterschen Seite der Lippe gelegen, besaß an der Lippe eine Mühle und hatte zur Aufstauung des Wassers eine Art Wehr, die so genannte Schlacht angelegt. Behufs Unterhaltung und Ausbesserung der Schlacht beanspruchte das Haus Dahl das Recht, in der Dahlerheide Grastörfer zu stechen. Dies wurde ihm auch zugestanden und ein bestimmter Platz hierzu angewiesen. Die Grenzen mochten wohl nicht immer beachtet sein, darüber entstand ein Streit. Zwar hatte man bis 1664 verglichen, jedoch nach zwei Jahren entbrannte der Streit mit große Heftigkeit. Dieserhalb wandte sich der Fürstbischof von Münster an den Erzbischof von Köln. Dieser schlug eine gemischte Kommission vor, welche die Sache an Ort und Stelle untersuchen und schlichten sollte.
Diese hielt in Gegenwart beider Parteien einen Augenschein ab und brachte einen Vergleich zustande. Doch 1736 brach der Streit mit Haus Dahl von neuem los. Der Holzrichter von Westrem behauptete, dass die vom Hause Dahl beim Rasenstechen die Grenzen überschritten hätten.
Mit Hilfe der Markgenossen nahm er dem Baron von Reck zwei Pferde weg und brachte sie zur Holzbank auf Rensmanns Hof im Markfeld. Um die Pferde zurückzuerhalten, mussten die Vertreter des Herrn von Reck zu Heeßen für Futterkosten 10 Taler zahlen, obendrein dem von Westrem aus ihres Herrn Stall „ein ohnsträfliches Pferd" und den Markgenossen für erlittenen Schaden und Unkosten 10 Tonnen Bier zu geben versprechen.
Am 17. Juni 1741 wurden die mit Rasenstechen beschäftigten Leute vom Hause Dahl plötzlich von den vom Freiherrn von Westrein geschickten Hausleuten im Verein mit den aufgebotenen Bauern von Markfeld überfallen, mit Gewalt vertrieben und ihnen Spaten und Hacken weggenommen. Darüber entstand ein Prozess, der durch mehrere Instanzen geführt wurde.
Gegen Ende des 18. Jahrh. wurde Gutacker von der Witwe Anna Odilia v. Elverfeldt, geborene von der Lippe, Freifrau zu Gutacker bewohnt.
Im Jahre 1811 wurde mit der Teilung der Marken begonnen. In der Meckinghover Märk wurde Gutacker für etwaige Gerechtsame mit einem Kotterteil abgegolten. Die Verhandlungen in der Dahlerheide zogen sich in die Länge, weil man dem Hause Gutacker kein Teilnehmerrecht zustehen wollte. Durch Urteil wurde es als berechtigt anerkannt und mit anderthalb Baurechte entschädigt.
Das Haus Gutacker ist 1820 durch den Regierungsrat Bracht, den Amtmann Funke, Bürgermeister Reif und Domherrn von der Lippe angekauft und parzelliert. Der Anteil des Domherrn von der Lippe aber ist dem Postmeister Wesener in Homeburg wieder übertragen worden. Der kurkölnische Regierungsrat Bracht hat bei der Parzellierung von Gutacker die Beteiligung in der Dahler Mark an sich gezogen, wo die drei letzteren zu gleichen Teilen berechtigt sind.
Bracht schuf sich das Gut Dillenburg, welches später in den Besitz des Herzogs von Armberg überging, von dem es die Zechenverwaltung käuflich erwarb. Auch Gutacker kam durch Kauf an den Herzog.
Das Schicksal des Hauses Gutacker war besiegelt. Durch Abtragung der Wälle und Ausfüllung der Burggräben ist östlich des Weges die Wiese angelegt. Die alte Kornmühle brannte 1895 nieder, während die Ölmühle dem Abbruch zum Opfer fiel. Nur die alten Mühlenteiche und einige Mühlsteine erinnern noch daran.
So verschwindet nach wechselvollen Schicksalen das alte Geschlecht derer von Westrem aus der Geschichte unserer Heimat und der Name Gutacker hält noch die Erinnerung vergangener Zeiten wach. Ein Spross der Familie von Westrem zu Gutacker lebt heute als Generalmajor a. D. in Wiesbaden-Biebrich.
Ergänzung zur Geschichte des Hauses Gutacker:
Das Haus Gutacker war zu Anfang des 19. Jahrh. in äußerst schwieriger Lage. Der
Regierungsrat Bracht kaufte mit Amtmann Funke, Bürgermeister Reif und Domherr
von der Lippe das Gut gemeinschaftlich. Bracht schuf
sich aus Teilen des Gutes die Dillenburg. Die übrigen drei übernahmen die Burg
und die anderen Grundstücke. Der Domherr von der Lippe trat seinen Anteil
an den Postmeister Wesener in Homeburg ab.
Nun erwarb der Gograf des Domkapitels im Gogericht Münster und Telgte Dr. jur.
Hermann Ignatz Schweling
das Gut. Im Jahre 1833 ging Gutacker in den Besitz des Theodor Henning aus
Mengede über. Nach seinem Tode 1836 hat die herzoglich Arenbergische
Verwaltung das ganze Gut Gutacker einschließlich aller Gebäude, also auch die
Burg, von der Witwe des Gutsbesitzers Theodor Henning aus Mengede gekauft. Die
Burg wurde nicht mehr bewohnt, diente als Speicher und war baufällig geworden.
Um 1859 erfolgte der Abbruch. Das Gelände wurde eingeebnet und dient seit der Zeit als Wiese.
gez. Hunke
Diese Ausarbeitung wurde um
1950 verfasst von Rektor Adolf Hunke.