Die Oerer Fronenfamilie Schwacke
Clarenbach

In den Archivalien des Herzog-Arenberg-Archivs (HAA) erscheinen immer wieder als Fronen Vertreter der Familie Schwacke aus Oer. Schon kurz nach der Wiederlöse des Vestes aus der Pfandschaft durch Erzbischof Salentin findet sich in einem Protokoll von 1578 ein Johann Swake auf Schosterinck .(1) Er hat 9 „Brende“, d.h. er darf 9 Schweine bei Vollmast in der Haard einbrennen (2) lassen.

1594 ist von 4 zusätzlichen Schernerbränden die Rede,(3) 1601 von 9 Bränden für Schosterinck und 6 Schernerbränden. (4) 1613 ist der Hobsfron Johann Schwacke gestorben. (5) Wann er das Amt übernahm, konnte ich bisher nicht feststellen. 1669 gibt der 85-jährige Hobsfron Henrich Schwacke an, (6) dass er 1609 als Fron vom Kölner Domkapitel „angenommen“ worden sei. Ich nehme an, dass er damals dem Vater adjungiert, d.h. beigeordnet wurde.

1615 hat Henrich Schwacke Streit mit dem Schulten von Oer um eine Wiese. (7) Im gleichen Jahr richtet er eine Supplication (Bittschrift) an das Domkapitel. (8) Er hat Probleme mit den Hobsleuten von Oer, insbesondere mit Henrich Beckmann. Letzterer hat ihn bezichtigt, mit der „Bierkanne“ besonders innig vertraut, d.h. trunksüchtig zu sein. Schwacke schildert den anstrengenden Dienst in der Haard, bei dem die Scherner hier und da einen Trunk benötigen. Er bittet das Domkapitel auch, seine Schweinebrände zu bestätigen: 9 für das ererbte Schosterinck, das aber wüst liegt, 2 für seinen Kotten, in dem er wohnt, und zusätzlich 6 Schernerbrände, so dass er insgesamt auf 17 Brände kommt.

Der 30-jährige Krieg 1618-48 ist auch für Henrich Schwacke eine schwere Zeit. (9) Er scheint zeitweise neben dem Hobsfronenamt auch das Amtsfronenamt (10)  inne gehabt zu haben. Dies führte bei dem Gegensatz von Kellner und Domkapitel automatisch zu Problemen, so dass Schwacke beim Domkapitel in Ungnade fiel. Der Verwalter des Domkapitels, Johann Schaumburg, schlug sogar schon andere Bewerber als Nachfolger vor. Letztlich aber hat Henrich Schwacke sich wohl mit dem Domkapitel arrangiert, so dass er das Hobsfronenamt behielt. 1669 jedenfalls ist er als Hobsfron zwar „leibesschwach, aber gesunden Verstandes“. ( 11) Als Zeuge sagt er aus, dass er von 1617 - 26 am Heiligen Baum in der Haard wöchentlich samstags den Malenburger Dienern ein Fuder „Branntholtz“ gewiesen habe. Bei Vollmast durfte Malenburg 29 Schweine und einen „Beer“ (Eber) brennen lassen und in die Oerer Mark eintreiben.

Diese Rechte seien wegen Markenvergehen (Excesse) und der Aufbrechung (Violierung) des Pfandstalles durch den Malenburger Diener Johann Bruß vom Domkapitel 1627 eingezogen worden.

Auch in späteren Jahren finden sich in den Archivalien immer wieder Hobsfronen mit dem Namen Schwacke. (12) 1676 und 1677 bittet der Hobsfron Henrich Schwagh nach dem großen Brand in Oer um etwas Holz für seinen Neubau. (13)

Bei den Auseinandersetzungen mit dem Stift Flaesheim spielt ein Schwacke als Helfer des Verwalters des Domkapitels eine wichtige Rolle. Er erstellt 1719 u.a. ein „Memorial“ (Erinnerung), um die Rechte des Domkapitels zu stärken. (14) Einmal wäre er für sein Engagement in Flaesheim sogar fast verprügelt worden.

Nur wenigen dürfte bekannt sein, dass auf einer Karte zur Markenteilung von 1824 ein Hof Schwacke und ein Flurstück „Am Schwacke“ zu finden ist. (15)

 

Anmerkungen:

1)  HAA VIII C Nr. 97 Bl. 8´

2)  Die Schweine wurden auf dem Hof Schulte-Oer mit einem Brenneisen gekennzeichnet

3)  wie 1 Bl. 66 ´/ Die Scherner sind die Aufseher in der Haard

4)  HAA IL Nr. 3 Bl. 4f

5)  HAA III Nr. 2 Bl. 16

6)  HAA VIII B Nr. 110 Bl. 16

7)  HAA VIII E Nr. 5 I Bl. 145 und 5 II Bl. 330

8)  HAA VII E Nr. 4 Fasc. 3 Bl. 28 f  uam. / s. auch meine Schrift : 16 weitere Geschichten VHS Oer-E. „Der Dachsbergkrieg“

9)  Flurkarte von Geometer Selss 1824

 

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